Gerasdorf → Gerasdorf Geschichte

2201 Gerasdorf


 

  

Mit Roland Girtler auf
Streifzug in Gerasdorf bei Wien



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Als vagabundierender Kulturwisschafter bin ich mit Max Josef Dorfinger in Gerasdorf am Rande Wiens unterwegs. Gerasdorf - seit 1999 Stadt - besteht aus fünf Ortschaften, zu den ältesten zählen Gerasdorf und Seyring. Der Name Gerasdorf, urkundlich erstmals 1200 erwähnt, leitet sich von Gerhartesdorf, also vom Dorf des Gerhart, ab.
Die Grenze zwischen Wien und Gerasdorf verläuft interessant, wie mir Heimatforscher Norbert Gorisek erzählt. Sie zieht sich mitten durch ein Einfamilienhaus. Daher hat dieses auch zwei Hausnummern. Angeblich verbringt die Besitzerin ihre Nachtruhe in Wien, das Frühstück nimmt sie in Gerasdorf ein.

Schloß SeyringWir kommen zum Seyringer Schloss, das aus der Zeit des Klassizismus (18. Jh.) stammt, hier saßen bis 1848 die Grundherren dieser Gegend.
Die letzten Eigentümer, die Beroldinger, verkauften 1917 Gut und Schloss.
In einem Flügel des Schlosses, im sogenannten Comtessentrakt, befindet sich das Kulturzentrum der kleinen Stadt. Hier finden die Lesungen "Literatur im Schloss" statt. Wir betreten den Saal, Gerlinde Dorfinger begrüßt mich herzlich.

Spannend ist die Geschichte von Gerasdorf. Seine ungeschützte Lage vor Wien bewirkte, dass Kriegshorden plündernd und brandschatzend über Gerasdorf herfielen. So überrannten die Türken bei der ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 Gerasdorf und brannten es nieder.

1605 tauchten die berüchtigten Heiducken, angeführt von Stephan Bocskay (1557-1606), vor Gerasdorf auf und setzten die Häuser in Brand.
Stephan Bocskay, ein ungarischer Adeliger, aufgewachsen am Hofe der
Habsburger, unterstützte diese zunächst im Kampf gegen die Türken.
Er wandte sich jedoch enttäuscht von den Habsburgern ab und wurde Anführer des ungarischen Aufstandes gegen die Habsburger. Ungarische Adelige wählten ihn zum Fürsten von Siebenbürgen, kurz darauf wurde er ebenso von den Siebenbürger Sachsen als solcher anerkannt. Von Sultan Ahmet 1. erhielt er das von den Türken eroberte Königreich Ungarn und Siebenbürgen als türkisches Lehen.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen Stephan Bocskays mit den
Habsburgern führten letztlich 1606 zum Wiener Frieden, bei dem den Ungarn und auch den Sachsen Religionsfreiheit zugesichert wurde. Dieser bemerkenswerte Fürst von Siebenbürgen dürfte Zeuge gewesen sein, wie die Heiducken Gerasdorf plünderten. Die Heiducken waren vermutlich ungarische Viehhirten, die als Söldner unter anderem für die Türken, später sogar für die Osterreicher kämpften. Die Bezeichnung Heiducken - dieses Wort kommt ähnlich in allen südeuropäischen Sprachen vor - stammt aus dem Türkischen. In späterer Zeit verklärte man die Heiducken als "edle" Räuber und Rebellen.
Ihr Anführer Stephan Bocskay starb 1606, vermutlich hat man ihn vergiftet. Seine Krone, die ihm der Sultan verliehen hat, ist in der Wiener Schatzkammer zu bewundern.

Mit den Heiducken dürften auch ie Tolpatschen oder Dolpatschen, wie ungarische Fußsoldaten genannt wurden, vor Wien gekämpft haben.
In dem Wort" Tolpatschen" steckt das ungarische Wort "tal pas" für "breitfüßig" - "talp" ist die "Sohle". Der ungarische Tolpatsch trug nämlich statt festen Schuhwerks breite Sohlen, die mit Schnüren befestigt
waren. Bei den Osterreichern wurde das Wort Tolpatsch zur Spottbezeichnung für ungarische Soldaten, schließlich fand es als Tollpatsch Aufnahme in die deutsche Hochsprache als Bezeichnung für einen ungeschickten Menschen.

Ich wünsche Gerlinde und Max Dorfinger, Norbert Gorisek, Bürgermeister Alexander Vojta und allen Gerasdorfern das Beste und ziehe weiter..


Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Hrn. Roland Girtler, Radfahrer und Fußgänger.
Der Originalartikel erschien am 15.03.2015 in der "Kronen-Zeitung".